Ernährung bei Alpha-1 mit Tipps für den Alltag

Referentin: Frau Veronika Hofmann, Diätassistentin, B. Sc. Diätetik, Klinikum der Universität München

Optimales Körpergewicht

Bei chronischer Lungenerkrankung sind sowohl Übergewicht als auch Mangelernährung oder ein Gewichtsverlust mit einer schlechteren Prognose verbunden. Menschen mit AATM sollten daher einen optimalen BMI zwischen 21 und 23 kg/m² anstreben. Der BMI oder Body Mass Index wird bestimmt, indem man das Körpergewicht in kg durch die Körpergröße im Metern zum Quadrat dividiert. Beispielsweise führt ein Gewicht von 64 kg bei einer Größe von 1,70 m zu einem BMI von 22 kg/m².
Im Folgenden soll es vorwiegend um Untergewicht und Mangelernährung gehen.

Ursachen und Folgen der Mangelernährung

Die Ursachen für Mangelernährung sind vielfältig. Lungenkranke müssen mehr Energie zum Atmen aufbringen, sodass ihr Energieverbrauch steigt. Probleme wie Husten, Halsweh, Schluckstörungen, Beschwerden mit den Zähnen oder beim Kauen beeinträchtigen die Nahrungsaufnahme. Mangelernährung wird auch verursacht durch geringeren Appetit, wenn man sich müde und abgespannt fühlt oder zu wenig Kraft zum Essen hat. Auch wer sich einseitig ernährt, beispielsweise vorwiegend Brot oder Reis isst, und zu wenig Eiweiß zu sich nimmt, kann mangelernährt sein.
Mangelernährung bezieht sich nicht nur auf die Fettspeicher des Körpers, sondern vor allem auch auf die Muskulatur. Wenn Muskulatur abgebaut wird, sind davon auch die Atemmuskulatur und das Zwerchfell betroffen. Dies schränkt die Kraft der Atmung und damit auch die Lungenfunktion ein. Die körperliche Belastbarkeit wird dadurch verringert. Akute Krankheitsschübe nehmen zu und die Krankheit schreitet schneller voran.
Für chronisch lungenkranke Menschen ist es daher wichtig, eine Mangelernährung und einen Gewichtsverlust zu verhindern. Dazu muss man sein Körpergewicht kennen und es regelmäßig überprüfen.

Energiedichte der Nahrungsmittel

Beim Essen sollte man Nahrungsmittel mit einer hohen Energiedichte bevorzugen. Die Energiedichte gibt an, wie viele Kalorien in 100 g eines bestimmten Nahrungsmittels enthalten sind. Liegt die Energiedichte über 250 kcal pro 100 g, hat das Lebensmittel eine hohe Energiedichte.
Wenn man sich über die Energiedichte seiner Lieblingsspeisen informiert, kann man dadurch das Gewicht steuern. Beim Frühstück beispielsweise hat eine Mohnschnecke eine Energiedichte von 300 kcal pro 100 g, ein Apfelkuchen mit Hefeteig jedoch nur eine Energiedichte von 130 kcal pro 100 g. Dementsprechend nimmt man mit einem Stück Backware entweder 420 oder nur 200 kcal zu sich. Andere Beispiele sind Schnittkäse, Schlagsahne und Wurstwaren mit hoher im Vergleich zu Frischkäse, saurer Sahne und Schinken mit niedriger Energiedichte. Wer sich nach der Energiedichte richtet, kann sich satt essen und muss keine Kalorienangaben beachten.
Bei Appetitlosigkeit sollte man vorwiegend Lebensmittel mit hoher Energiedichte auswählen und diese auch zuerst verzehren. Zusätzlich kann man die Speisen auch mit mehr Kalorien anreichern, beispielsweise durch Zugabe von Sahne, Butter, Öl oder Maltodextrin.

Eiweißgehalt von Nahrungsmitteln

Der Eiweißgehalt von Lebensmitteln ist ein anderes wichtiges Thema. Muskulatur besteht zu einem großen Teil aus Eiweiß, sodass eine ausreichende Eiweißzufuhr wichtig ist für die Atemmuskulatur. Nach aktuellen Empfehlungen sollen gesunde Personen pro Kilogramm Körpergewicht täglich etwa 0,8 g Eiweiß zu sich nehmen, also gut 51 g bei einem Körpergewicht von 64 kg. Lungenerkrankte Personen sollten dagegen gut zweimal mehr Eiweiß zu sich nehmen, nämlich 1,2-1,9 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht.
Dabei ist es wichtig, nicht die gesamte Eiweißration auf einmal mit einer Mahlzeit zu sich zu nehmen, denn der Körper kann nur eine begrenzte Menge an Eiweiß verarbeiten. Mit Lebensmitteln wie Thunfisch, Lachs oder Schweinefilet nimmt man mit einer Portion (100 g) etwa 30 g Eiweiß zu sich. Hülsenfrüchte wie Erbsen und Linsen sind mit 14 g pro Portion ebenfalls gute Eiweißlieferanten. Eier, Quark, Käse oder Erdnüsse liefern in einer Portion jeweils 7-9 g Eiweiß.

Tipps rund um das Essen

Personen mit schwerer Lungenerkrankung sollten sich beim Kochen und beim Zubereiten der Nahrung möglichst wenig anstrengen. Es spart Mühe und Zeit, wenn man größere Mengen auf einmal vorbereitet und dann portionsweise einfriert. Wer die Atemwege beim Kochen speziell schützen möchte, sollte das Küchenfenster öffnen oder die Abzugshaube einschalten.

Das Grillen sollte man anderen Menschen überlassen und sich vom Grill fernhalten.  Hygiene in der Küche ist noch wichtiger als bei anderen Menschen. Dementsprechend sollte man Küchenschwämme alle 5-7 Tage austauschen und grundsätzlich Bakterien und Schimmel vermeiden. Beim Putzen sollte man auf aggressive Reinigungsmittel verzichten, denn viele Putzmittel reizen die Lunge, wenn die Dämpfe eingeatmet werden. Auch aus diesem Grund können Putzhilfen eine gute Entlastung sein.  Fertiggerichte und Tiefkühlprodukte reduzieren ebenfalls den Zeitaufwand und sie lassen sich vor dem Essen meist schnell in der Mikrowelle aufwärmen. Außerdem sollte man immer eine Auswahl unterschiedlicher Snacks zu Hause haben, beispielsweise Trockenobst, Müsliriegel oder auch Käsewürfel. Diese kann man ohne Arbeitsaufwand zwischendurch essen.

Lungenkranke Personen sollten eher 5-6 kleinere energiereiche Mahlzeiten essen als nur 3 große Mahlzeiten. Vorteile sind, dass die Mahlzeit selbst dann nicht so lange dauert und dass die Magendehnung geringer ist und mehr Raum für die Ausdehnung der Lunge verbleibt. Man sollte möglichst viel von dem essen, was einem schmeckt und was einem Freude bereitet.  Wer mit Husten und Auswurf zu tun hat, sollte die Sekretreinigung der Lunge vor dem Essen durchführen und eventuell ein bronchialerweiterndes Spray anwenden. Beim Essen kann man im Paschasitz sitzen, der das Atmen erleichtert. Dazu legt man die Unterarme auf den Tisch mit dem Teller dazwischen und hält die Beine gerade, ohne sie zu überkreuzen.

Essen und Lebererkrankung

Wenn die Funktion der Leber beeinträchtigt ist, gibt es nur wenige spezielle Ernährungstipps. In jedem Fall muss man auf Alkohol verzichten. Außerdem sollte man nicht zu viel Obst und Lebensmittel mit Fruktose gesüßt essen, weil dieser Zucker über die Leber verstoffwechselt wird. Die ausreichende Eiweißzufuhr ist auch hier besonders wichtig.

Ernährungstherapie und Diätberatung

Wenn das normale Essen nicht ausreicht, um eine Gewichtsabnahme zu verhindern, erfolgt die Ernährungstherapie nach einem Stufenschema. Bei der individuellen Behandlung helfen qualifizierte Diätassistentinnen, die u.a. Mitglieder im Verband Deutscher Diätassistentinnen (VDD) sind.
Als Zusatznahrung können Trinknahrungen getrunken werden, die neben Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten auch alle wichtigen Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente in der richtigen Menge enthalten. Sie ähneln Joghurtdrinks und werden zusätzlich zur normalen Nahrung getrunken. Um sich an die Präparate zu gewöhnen, sollte man sie schluckweise und nicht vor den Mahlzeiten trinken. Zwar sind die meisten Trinknahrungen süß, es gibt jedoch inzwischen auch Präparate mit neutralem oder pikantem Geschmack. Die Trinknahrung wird nicht der täglichen Flüssigkeitszufuhr zugerechnet, sondern sie gilt als Lebensmittel. Sie kann auf Rezept verordnet werden. Wenn auch Trinknahrung nicht zum Erfolg führt, kann die Ernährung über eine Magen- oder Dünndarmsonde erfolgen. Nur sehr wenige Patienten benötigen eine intravenöse Ernährung über den Blutweg.

Zusammenfassung: Prof. Gratiana Steinkamp

Merke:

Ernährung ist kein Wundermittel! Die Ernährung kann nicht alles.  Sie kann aber zum Erhalt der Gesundheit und Lebensqualität beitragen.
Eine abwechslungsreiche Ernährungsweise, reich an verschiedenen pflanzlichen Lebensmitteln, ist der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln immer überlegen.

Die Ernährungstherapie

Die individuelle Ernährungstherapie bietet speziell zugeschnittene Empfehlungen und kann Ihnen dabei helfen, die Lebensqualität zu erhalten/erhöhen.

Qualifizierte Diätassistenten finden Sie z.B. über den Verband Deutscher Diätassistenten (VDD).

So erschienen im Alpha1-Journal 1/2018.