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Training für Patienten mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

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Michaela Frisch, so erschienen im Alpha1-Journal 2/2015

Neben der medikamentösen Einstellung und der Substitutionstherapie ist ein regelmäßiges Training der wichtigste Therapie-Bestandteil bei der Behandlung von Patienten mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel. Das belegen aktuelle Studien.

Viele Worte aus der Trainingslehre – Reaktionsschnelligkeit, anaerobe oder aerobe Ausdauer, Kraftausdauer, Koordinationsfähigkeit, Explosivbeziehungsweise Schnellkraft, Hyperflexibilität, Aktionsschnelligkeit, Reaktivkraft, Schnelligkeitsausdauer, Maximalkraft – sind nur theoretische Begrifflichkeiten. Diese sind zur Überwindung des inneren Schweinehundes und der Bewegungsmotivation nicht zielführend. Viel alltagsrelevanter sind die folgenden Gründe, warum sich Patienten mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel trotz Atemnot und mangelnder Motivation bewegen sollten:

  • erhöht das Lungenvolumen
  • verbessert die Atmung
  • verbessert die Sauerstoffaufnahme beziehungsweise den -transport
  • bremst den Gehirn-Alterungsprozess (Demenz-Schutz)
  • erhöht die Insulinempfindlichkeit (Altersdiabetes wird reduziert)
  • schult die Koordination (Sturzprävention und-prophylaxe)
  • erhöht die Knochendichte (Osteoporose-Prophylaxe)
  • senkt den Blutdruck
  • fördert das körperliche Wohlbefinden
  • stärkt das Immunsystem
  • bietet soziale Kontakte
  • steigert die Lebensqualität
  • erhöht die Mobilität

Leistungsbegrenzende Faktoren nicht vergessen

Allerdings dürfen auch die leistungsbegrenzenden Faktoren nicht unbeachtet bleiben. Das Posturomed ist beim propriozeptiven (tiefensensiblen) Training von Atemwegspatienten schon länger etabliert. Hierbei wird unter Anleitung von Therapeuten durch Eigenschwingungen und mit Einsatz von Geräten die Belastung in Kombination mit der Atmung trainiert. Bei Atemwegspatienten – und damit auch bei Alphas – kommt immer häufiger das Gerät „Galileo“ zum Einsatz. Neuere Studien belegen dies. Hierbei bestimmt die Trainingsfrequenz die Anzahl der Dehnreflexe pro Sekunde. Diese Therapie bietet eine höhere Muskelarbeit unter einer reduzierten Herz-Kreislauf-Reaktion. Dadurch wird der Stoffwechsel und die Durchblutung angeregt. Wer unter Diabetes leidet, sollte allerdings die Gefahr einer Unterzuckerung beachten. Je nach Einstellung des Trainings-Frequenzbereichs dient das Galileo-Training der Muskelentspannung/-detonisierung, der Verbesserung der Muskelfunktion/-koordination oder der Steigerung der Muskelleistung und Muskelkraft.

Das Trainingsziel bestimmt die Frequenz

Dabei gilt es zu beachten: Durch die Bestimmung des Trainingsziels wird die Frequenz ausgewählt. Allerdings ist das Galileo-Training nur effektiv und zielführend leistungssteigernd, wenn die Übungen bewusst und vor allem aktiv durchgeführt werden. Auch das Training der Einatem-Muskulatur wird durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse empfohlen. Aufgrund der signifikanten Schwäche der Atemmuskulatur (erfasst durch die PImax-Messung im Rahmen der Lungenfunktion und definierter Trainingsbereich durch den Arzt) erscheint es zunächst widersprüchlich, eine schon überlastete
Muskulatur durch weiteres Training zu belasten. Bedingt durch die Trainingsgrundlage stellt sich ein Effekt aber erst nach ca. 14 Tagen konsequentem und regelmäßigem Training ein.

Für Alpha-1- Antitrypsin-Mangel-Betroffene gut geeignet: das Threshold Load-Verfahren

Für Patienten mit einer chronischen Atemwegserkrankung – also Alpha-1- Antitrypsin-Mangel-Betroffene – hat sich das Threshold Load-Verfahren als ideale Methode herauskristallisiert. Durch einen vorher definierten und eingestellten Schwellenwert (30 % des PImax-Wertes) wird ein negativer Druck aufgebaut. Sobald der Schwellenwert mit der Einatmung überschritten wird, löst sich das Ventil und Luft kann einströmen. Nicht zu vergessen ist aber die korrekte Anleitung durch einen Therapeuten im Rahmen von beaufsichtigten Einheiten und die damit verbundene richtige Trainingsdurchführung. Dabei besteht eine Trainingseinheit aus 7 x 2 Minuten (mit max. 20-30 Atemzügen pro Intervall).

Wichtiger Bestandteil: Das Ergometer-Training

Auch das Ergometer-Training ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie – sowohl im Rahmen eines eigenständigen Trainings auf dem häuslichen Ergometer, als auch beim überwachten und per PC gesteuerten Training bei einer pneumologischen Rehabilitation. Hierbei kann das Training als
Intervalltraining durchgeführt werden. Dies eignet sich vor allem bei Patienten, die nach einer längeren Krankenhausaufenthaltsphase erst langsam wieder an körperliche Belastung herangeführt werden müssen. Auch ein konstantes Training ist – neben einem herzfrequenzorientierten Training oder einem SO2-orientierten Training – bei den neueren Systemen im Rahmen einer Rehabilitation möglich. Bei der medizinischen Trainingstherapie (MTT) oder als KG-Gerät bzw. dem Gerätetraining als Erweiterungen zum Lungensport, gibt es diverse Voraussetzungen, die für einen Alpha-1-Patienten für die Durchführung sinnvoll sind:

  • individuelle Einstellmöglichkeiten für jeden einzelnen Patienten
  • (mobile) Kontrollspiegel zur Vermeidung von Schonverhalten bzw. Einsatz der Hilfsatemmuskulatur und zur Kontrolle der aufrechten Körperhaltung
  • Fußstützen, um eine körperliche Grundspannung leichter zu bewahren
  • kleine Gewichtseinteilungen, diese sind besser für schwergradig erkrankte Atemwegspatienten
  • Zusatzgewichte lassen eine bessere Einstellung auf den tatsächlichen Leistungszustand zu
  • Vorspanner schalten das Problem eines Leerwegs aus
  • Trainingsisolierung: Ein einseitiges isometrisches Training, um die Herz-Kreislaufbelastung nach einer längeren Krankenhausaufenthaltsphase zu reduzieren und an die körperliche Belastung langsam heranzuführen

Zur Trainingssteuerung bietet sich für alle Trainingsarten immer die Borg-Skala an (siehe Bild). Der optimale Trainingsbereich liegt bei der Feststellung 4-6. Das Training für den Alltag ist ein vorrangiges Therapieziel in der gemeinsamen Arbeit von Patienten und Therapeuten. Dies gilt sowohl in der Rehabilitation als auch im Lungensport. Angepasst an die körperliche Belastbarkeit des Einzelnen werden dosierte Trainingsprogramme zusammen erarbeitet, mit dem Ziel der besseren Bewältigung des Alltags. Wichtig ist dabei eine realistische Vorgabe, die immer wieder neu modifiziert werden muss. Aber auch die Integration und Umsetzbarkeit in den Alltag muss berücksichtigt werden, um eine Trainingskonstanz zu erreichen.

Im Rahmen der Trainingssteuerung bedeutet dies eine Abklärung der Schwierigkeiten und Probleme des Patienten in seinem Alltag. Dabei müssen zudem die räumlichen Gegebenheiten, persönlichen Vorstellungen und Erwartungen sowie die Bereitschaft des Patienten berücksichtigt werden. Daraus ergibt sich die Erstellung eines individuell ausgerichteten Trainingsplanes. Auf diesem Plan steht unter anderem auch das Einüben von krankheitsbedingt erschwerten Bewegungsabläufen. Bestimmte Bewegungen werden angepasst und in einzelne Bewegungsteile unterteilt. Ziel des Trainings ist es, das anfängliche Bewegungstempo der einzelnen Übungen zu steigern.

Anhand der idealerweise an mehreren Stellen im Übungsraum angebrachten Borg-Skala kann der Trainingserfolg – beginnend mit der Aufwärmphase über eine folgende Aufbauphase – eingeschätzt werden. So soll der jeweils körperlich optimale Trainingsbereich gefunden werden. Die Leistungsfähigkeit wird verbessert und der Anstrengungsgrad stetig leicht gesteigert. Das schrittweise Steigern der jeweiligen Belastung sollte durch eine wiederholte Erfassung der Atemfrequenz (nicht mehr als 4 Atemzüge in 10 Sekunden) kontrolliert werden. Dies ermöglicht die richtige Wahl des Anstrengungsgrades der Übung. Grundlage bildet im Vorfeld eine ausführliche Schulung der Atemtechnik „Lippenbremse“ und der verschiedenen atemerleichternden Körperpositionen.

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